10.-14.08.2018 Fahrtengruppe Stamm St. Jörg

Fahrtenblog #11

Zeit zu gehen

So ihr Lieben, wir sind am Ende. Sowohl körperlich wie auch mit diesem Blog hier. Zum Abschluss, dem großen Finale haben wir euch deshalb ein ganz besonderes Schmackerl bereitet. Gleich fünf ereignisreiche Tage auf einmal. Also lehnt euch zurück, gönnt euch einen schönen Früchtetee, ein kühles Bier oder ein gesundes und sauberes Wasser (Luxus) und lasst euch von uns noch ein letztes Mal Sankt Jörgsches Karamell in den Gehörgang gießen.

Wir beginnen am Freitagmorgen. Nur zur Erinnerung wir befinden uns auf dem “Campingplatz”. Dieser hat es verdient, dass wir noch ein paar Worte über ihn verlieren: von den Baracken mit ihrem fettigen Essen hatten wir ja bereits erzählt. Interessant ist noch, dass der wohl eher inoffizielle Campingplatz keine Toiletten besaß und der Wald daher zu einer einzigen großen umfunktioniert wurde. Dieser war komplett mit weißen Fähnchen dekoriert die hinter jedem Baum hervorlugten und für angenehmes Ambiente sorgten. Hier wurde Hygiene nur groß geschrieben, weil es ein Nomen ist. Der perfekte Ort um eine Magen-Darm-Infektion auzukutieren. Der sich durch das Tal schlängelnde Bach war wohl mehr mit Chemikalien belastet als BASF-Werke in Ludwigshafen. Alles was man nicht in den Wald kippen oder verbrennen konnte (Plastikmüll) wurde in diesen Bach geschüttet. Aufgrund mangelnder Suizidgedanken entschieden wir uns gegen ein Bad in diesem einladenden Gewässer. Immerhin wurde das Gras täglich von den umgerlaufenden Kühen gemäht, die zwischen den Zelten und Autos munter hin und her liefen. Nur gestört von dem großen Rudel zotteliger Straßenhunde. Wenigstens wurden so wohl Tag wie auch Nacht von den besten 80ern und den gelungensten Chartremixes versüßt welche über das Autoradio der ständig laufenden getunten Karren über das Gelände schallten. Unterbrochen wurde dieses akustische Scharmützel nur von Baggern, Kettensägen (bedient von Oberkörperfreien Rumänen) und einer Gruppe “singender” Männer, deren Repertoires sich lediglich auf “Knocking on heavens door” beschränkte – was sie allerdings nicht davon abhielt bis spät in die Nacht zu ‘musizieren’. Nun aber zu unserem Tag.

In eben beschriebem Idyll erwachten wir, alle nach und nach ausgeschlafen. Bis auf einen, dieser war die Nacht über wach gewesen und hatte uns bereits ein Geschenk vor der Kohte bereitet: Das Essen vom Vortag. Wir kümmerten uns also um den Kranken und versuchten uns selber noch weiter auszukurieren. Die, die sich besser fühlten machten sich auf, zu Frühstücken. Aufgrund mangelnder Lebensmittel an einem der Fettpaläste. Nachdem wir unseren Cholesterinwert ordentlich gesteigert hatten, machte sich eine von aus auf, mit Thomas dem Berliner in den 25km entfernten Ort, einkaufen zu fahren. Wir anderen kehrten zu unseren Kohte zurück, um ein bisschen Ordnung zu schaffen und in der Sonne zu dösen. Da brach erneut die Welt über uns zusammen: Unser alter Freund der Regen meldete sich zurück. Da wir ihn bereits gut kannten und wussten wie gemein er sein kann, verbarekadierten wir uns in den Zelten. Mit dem Aufschrei “Hilfe, ich schwimme”, mussten wir erkennen, dass der Regen zu klug für uns ist und in seiner diabolischen Art von unten kam. Er hatte uns in einen Hinterhalt gelockt. Auch Gebete an alle fünf Götter der großen Weltreligionen konnten uns nicht vor dem wortwörtlich Untergang bewahren. Lösung: Flucht in die nächstbeste Imbissbude. Der Kranke wurde auf eigenen Wunsch im neuerschaffenen Ozean zurückgelassen. Wir anderen gönnen uns Pfannkuchen bei Michaela, der deutschsprechenden Rumänin. Nachdem die Apokalypse abgebrochen war, kehrten auch unsere Einkäufe (inklusive Einkäuferin) zu uns zurück. Es galt nun mit guter Laune und Motivation unsere Sachen erneut zu trocknen (soweit das möglich war) und die Kohte abzubauen und ein paar Meter weiter erneut wieder aufzustellen. Dieser Rettungseinsatz konnte allerdings nicht von der ganzen Gruppe durchgeführt werden, während die einen sich mit einem Kopfsprung in die Kohte stürzten, wollten sich die anderen lieber von einer Klippe stürzen, machte der Magen weiterhin Probleme.

Die umgebaute Kohte besaß einige Features, erwähnt seien an dieser Stelle die Wäscheleinen, der Zweibein und Kotztüten. Die andere Kohte wurde ca. 50m entfernt ebenfalls auf einem Hügel aufgebaut, Kranke und Gesunde immernoch getrennt. Nach einer recht aussichtslosen Lagebesprechung wurde es unübersichtlich. Nachdem sich der Zustand eines Mitgliedes immer weiter verschlechterte, riefen wir sowohl in der Fahrten Zentrale an und informierten die Sanitäter der nahegelegenen Bergwacht über unsere Situation. Nachdem diese den Kranken begutachtet hatte musste er sofort mit auf die Station kommen. Währenddessen waren wir auch darum bemüht, eine Mitfahrgelegenheit zu finden, die uns von diesem Campingplatz erlösen könnte. In die weit entfernte Stadt zu laufen war keine Option, die meisten von uns waren einfach zu fertig. Wenig später dann der Schock: der Kranke muss ins Krankenhaus! Der Krankenwagen war bereits verständigt, unser Leidender, der litt. Zu unserem größten Glück waren Thomas und Luzie da und bereit, eine von uns ebenfalls in das Krankenhaus zu fahren damit unser Kranker nicht alleine sein müsste – verlassen im Rumänischen Hospital. Als die Retter dann ankamen, war zum Glück für beide Platz. Nach dem gescheiterten Versuch Feuer zu machen, brachten wir dann den weiteren wirklich Kranken zu den Sanitätern. Hier herrschte bei den Ärzten allerdings ein anderer Verdacht vor: “Did you smoke Weed? Or Mushrooms?”. Nachdem diese Irrtümer aus der Welt geräumt waren und alle Kranken einigermaßen versorgt waren ging es für uns völlig erschöpft ins Bett.

Am nächsten Morgen erwachten wir zu acht. Auf Frühstück hatte niemand wirklich Lust (außer einer), also begnügen wir uns damit, das zu tun was wir am besten konnten: schlafen. Nur einer von uns rannte ununterbrochen über den Platz blieb mit Kranken und Fahrten Zentrale in Kontakt und versuchte weiterhin verzweifelt eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Schließlich folgte ein Treffen mit der ersten Gelegenheit, drei Schäfern. Für umgerechnet 100€ waren sie bereit uns 25km in ihrem dunklen, kaputten, nicht mehr ganz fahrtauglichem Sprinter in die nächste Stadt zu fahren. Da musste nicht lange überlegt werden, wir lehnten ab. Immerhin die zwei noch im Lager verbliebenen Kranken hatten nun die Möglichkeit unseren geliebten Platz zu verlassen und das im kleinen lilanen Ford Fiesta der Berliner. Diese wollten zwar eigentlich eine Bergtour machen mussten für uns aber erneut das Taxi spielen. Fettestes Dankeschön an dieser Stelle nochmal (und Gute Besserung). Sie würden unsere beiden Mitfahrer an den Krankentransport der Fahrtenleitung übergeben, der auch unseren schwerstgetroffenen ins Pfadfinderlager bringen würde. Im Gegenzug würde die Begleitperson aus dem Krankenhaus wieder zu uns auf den Campingplatz gebracht. Als das geschehen war wurde unverzüglich großzügig gekocht: nach strenger Diät Reis mit Scheiß, der geschmacklich fast an die Polenta heranreichte. Doch auch schon dieses köstliche Mahl bereitete einigen von uns wieder Bauchschmerzen. Nach diesem Abendessen vor der Villa Dubai in Anwesenheit der beiden Berliner ging es flott in die Heia, dieses Mal nur zu sieht und in eine Kohte, die andere hatten wir den Kranken mitgegeben.

Es war Sonntag, wir schliefen mal wieder aus, jedoch mit der Hoffnung den Platz am nächsten Tag zu verlassen. Die nette Imbissbudenbesitzerin hatte uns einen Bus organisiert, der uns nach Sibiu fahren würde und das für einen nicht ganz so schlechten Preis. Ein bekannter von ihr war bereit, diese lange Fahrt auf sich zu nehmen. Den ganzen Tag passierte: Nichts. Wir schliefen, machten kleine Spaziergänge mit interessanten Begegnungen und wurden zu neuen Menschen: einige von uns gönnten sich eine Wäsche in der Selbstgebauten Dusche. OK, ja. Sie müssten dazu gezwungen werden (Zitat: “Hä, ich wasch’ mich doch jetzt nicht!?”).

Außerdem “backten” wir Kuchen, ein Gruppen it Glied Hatte Geburtstag, war aber Teil der angereisten Kranken. Nun gut, wir aßen ohne ihn, brachten der Dame die unsere Abreise organisiert hatten auch einen vorbei und schlemmen. Es folgte, wohlduftend, Abendessen. Es gab, nach feinster Diätvorschrift, Tortellini mit Gorgonzolasoße. Dumm aber geil. Wir genossen, wir hatten Schmerzen, wir ärgerten uns ein bisschen. Naja. Ab ins Bett…

Dann! Endlich! Es war so weit, die Freiheit rief, der Abschied nahte, der Tag war gekommen an dem wir den Campingplatz verlassen würden! Punkt acht waren wir wach, Motivation war genug vorhanden. Dann schnell abgebaut und ab zur Schlemmerbude, wo der Bus ankommen sollte. Nach geschlagenen fünf Stunden des Wartens und nur zwei Stunden Verspätung kam endlich unser Mercedes-Bus. Währenddessen war einer von uns noch nach einem Date gefragt worden, von der Kassiererin von Tag eins. Tja. Zu spät.

Unser Bus war, freundlich gesagt, etwas älter. Er zerfiel. Unser Schnauzbärtiger, grimmiger und dicker Fahrer (wir sind uns ziemlich sicher das er Sergej hieß), fuhr mit konstant viel zu hohem Tempo ein riskantes Manöver nach dem anderen und ließ sich auch von den Rumänischen “Straßen” bzw Schotterpisten auch nicht von seiner Rennfahrerkarriere abhalten. Ordentlich Durchgeschüttelt und verdammt schnell kamen wir ins Sibiu an. Hier aßen wir in der malerischen, alten Innenstadt auf dem Marktplatz , liefen umher und genossen den frühen Abend in dieser wundervollen Stadt. Kurz darauf ging es zum Bus nach Nocrich und in gewohntem Retrodesign direkt in Richtung Pfadizentrum. Hier liefen wir, beäugt von den Einheimischen Sinti und Roma, etwas aus dem Dorf hinaus und direkt auf ein Feld, wo wir unter freiem Himmel schlafen wollten. Wolken an Mücken hinderten uns an diesem Plan. Also wieder runter da und (etwas verboten) unter ein altes Scheunendach. Mit etwas Paranoia und auf altem Stroh schliefen – die meisten von uns – ein. Nach dem erwachen flohen wir früh, weg vom alten Scheunendach und hinein ins Dorf, auf die als “Park” deklarierte wilde Rasenfläche gegenüber vom Zeltplatz. Wir frühstückten, schrieben ein Lied, dösen, freuten uns auf die anstehende (warme!) Dusche. Unsere ehemals Kranken entdeckten uns, es kam zum langersehnte Wiedersehen. Wir sind endlich vereint und auch unsere Fahrt liegt hinter uns. Zwei Wochen voller wundervoller Begegnungen, toller Landschaften und bereichernder Erfahrungen liegen hinter uns und haben uns an vielem Reicher werden lassen. Vielen Dank das wir das erleben durften, so schnell werden wir diese Zeit nicht vergessen, wenn auch nicht immer aus den schönen Gründen. Trotzdem überwiegen natürlich diese.
Sankt Jörg: Mulțumesc, Romania! 💙💛❤

7 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.